Die Krebspest geht jeden Krebshalter etwas an!

von Kerstin | Krebse | Trackback | am 2. Jan 2012 um 20:49

Die Krebspest ist ein wichtiges Thema bei der Haltung von Krebsen. Leider wird im Fachhandel und in Online-Shops äußerst selten auf diese Problematik hingewiesen, oftmals sogar aus Unwissenheit der Händler.

Jutta war so nett und hat mir folgende Information zur Verfügung gestellt:

Die Krebspest ist ein Eipilz, der ausschliesslich Flußkrebse befällt. Sie ist für alle Flußkrebse der Welt zu 100% tödlich, ausser für nordamerikanische Krebse (Procambarus, Cambarellus etc.).

Die Krebspest wird durch nordamerikanische Krebse übertragen, die dagegen immun sind. Die nordamerikanischen Krebse tragen den Erreger eingekapselt und setzen diesen nach der Häutung in Massen frei. Aber auch während der normalen Phasen werden die Sporen freigesetzt, nur nicht in so großem Ausmaß.

Die Sporen sind bis zu 16 Tagen überlebensfähig. Sie bewegen sich mit Hilfe von Geißeln durch das Wasser und werden über Rezeptoren von einem neuen Wirt angezogen. Trifft die Spore auf einen Wirt, dringt sie in dessen Weichteile ein und wirft die Geißel ab. Handelt es sich bei dem Wirt nicht um einen Flußkrebs, verlässt sie diesen wieder und geht auf erneute Suche. Diesen Vorgang kann sie bis zu 4mal wiederholen, bevor sie abstirbt.

Die Sporen werden durch jegliche Wasseranhaftungen von einem Gewässer auf das nächste übertragen. Wasseranhaftung bedeutet: nasse Hände, Gerätschaften wie Käscher, Scheibenreiniger, Angeln u.s.w. Ebenso tragen Wasservögel und auf dem Wasser landende Insekten die Sporen in das nächste, von ihnen angeflogene Gewässer.

Wird ein Gewässer infiziert und es befindet sich dort eine Population von einheimischen Krebsen, so sterben diese innerhalb von 2 Wochen zu 100%. Infizierte Tiere zeigen innerhalb weniger Tage erste Symptome. Sie beginnen, sich ständig zu kratzen, vorzugsweise an den Scherengelenken und den Augen. Sie sind apatisch, schaukeln mit den Gliedmaßen und verlieren jeglichen Fluchtreflex. Nach ein paar weiteren Tagen verlieren sie Scheren und Beine und nach ca. 2 Wochen bricht der Pilz an Scherengelenken und Augen durch und der Krebs stirbt.

Bei der Haltung von nordamerikanischen Flußkrebsen im Aquarium müssen daher einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um eine Ausbreitung zu vermeiden:

Das Wechselwasser darf niemals in die Regenwasserkanalisation eingeleitet werden, da dieses oft ungereinigt in das nächste Oberflächengewässer geleitet wird. Wechselwasser soll vorzugsweise im Garten auf Beeten und Rasen entsorgt werden, da beim Versickern die Sporen nicht bis ins Grundwasser dringen. Alternativ kann es auch in die Schmutzwasserkanalisation geleitet werden (Toilette, Waschbecken etc.), da es von dort in eine Kläranlage geht. Es iat zwar noch nicht erforscht, aber man geht davon aus, daß die Sporen auch dort nicht überleben.

Es muß bei einem Wasserwechsel sorgsam darauf geachtet werden, daß keine Jungtiere in die Kanalsisation geraten, da diese dort überleben und in das nächste Oberflächengewässer wandern könnte. Siehe Marmorkrebse.

Bei gleichzeitiger Haltung von Flußkrebsen anderer Kontinente (Cherax, Astacus etc.) muß auf strikte Trennung der Gerätschaften geachtet werden. Niemals von einem Becken ins andere greifen!

Will man ein ehemals von nordamerikanischen Krebsen besetztes Becken mit Cherax oder anderen Krebsen beseten, muß das Becken mindestens 3 Wochen ohne Krebse laufen. In dieser Zeit sterben die Sporen ab und danach besteht keine Gefahr mehr.

Symptome der Infektion bei nicht immunen Krebsen:

Zunächst wird der Krebs apatisch und hat keinen Fluchtreflex mehr. Er sitzt offen herum, bewegt sich kaum und reagiert nicht mehr auf Gefahrensituationen.

Er kratzt sich auffällig häufig, vor allem an Scherengelenken und Augen.

Dann fallen die Gliedmaßen ab. Er verliert die Scheren und Beine.

Zuletzt beginnt der “Pilz” aus Augen und Gelenken zu wachsen, es bildet sich ein weißer Flaum.

Das Tier stirbt in diesem Zustand sehr bald.

Weitere Informationen findet ihr auch beim Edelkrebsprojekt NRW.

Wer Abgabetiere hat und diese nicht untergebracht bekommt, kann sich hier weitere Informationen holen: Überzählige Krebse, wohin damit? (PDF)

 

4 Antworten zu "Die Krebspest geht jeden Krebshalter etwas an!"

Hört sich ja schrecklich an. Aber auf jeden Fall ein guter Tipp. Haben alle nordamerikanischen Krebse diese Sporen oder kann man Sie nicht mit irgendwas behandeln so dass die Sporen absterben? (nehme mal an dass die Krebse die Sporen nicht zum Überleben brauchen)

Heike Dixon Am Di, 3. Jan 2012 | um 21:55 Uhr

Hallo Motamindi,

ich habe vor kurzem einen sehr interessanten Vortrag zum Thema gehört. Es haben nicht alle nordamerikanischen Krebse diesen Fadenpilz in sich…es betrifft alle Arten aber nicht jedes einzelne Tier. Alle Arten besitzen die Fähigkeit die Sporen des Pilzes einzukapseln. Ist ein befallener Krebs jedoch krank oder geschwächt, dann kann auch er selber Opfer der Krebspest werden. Die interessanteste Aussage die reinhard Pekny aber gemacht hat war die, daß Jungkrebse bis zu etwa 1cm Größe von den Pilzsporen nicht als möglicher wirt erkannt werden und das sich die Sporen auch nicht schon im Ei auf die Krebse übertragen…frisch geschlüpfte Jungkrebse sind also immer krebspestfrei. Der Krebs entläßt die Sporen wenn er sich häuted, Gliedmaßen verliert oder stirbt. Findet die Spore wie oben gesagt innerhalb von ca. 2 Wochen keinen Wirt stirbt sie ab, ebenso wenn sie mehrmals den falschen Wirt angesteuert hat und versucht hat sich festzusetzen.. Eine Heilung oder Behandlung gibt es nicht…wenn man aber krebspestfreie Nachzuchten möchte und sich nicht sicher ist ob die Elterntiere den Erreger tragen, dann sollte man die Jungkrebse sofort nach dem Schlußf umsetzen und das möglichst ohne gerätschaften und soetwas mit in das neue becken einzubringen die vorher im Elternbecken benutzt wurden…auch kein Wasser.
Neins die Krebse brauchen die Sporen nicht zum überleben, aber der Pilz die Krebse…es ist eigentlich gar nicht in seinem Sinn die Krebse abzutöten.

Inka Am Mo, 7. Jan 2013 | um 14:45 Uhr

Ich hatte eine Clarkii Alleniin einem 112er Becken.
Die Gute hatte am 18.09.12 Häutungsprobleme. Trotz Tierarztbesuch hat sie es leider nicht geschafft. :-(
Naja, ich hatte das Tier 2 Jahre und dessen Vorbesitzer auch einige Zeit, daher denke ich, hatte sie ein langes Leben.

Nun aber zum eigentlichen Zweck meines Kommentars.
Ich habe in einem 45er Becken CPOs (angeblich 2 Mädels), die nun für Nachwuchs sorgten. Da ich dort auch BlackBees halte, wird es mir zu kriminell wenn die kleinen größer werden.
Kann ich die CPOs nach etwas mehr als 3 Monaten schon in das große (112) Becken setzen wo vorher die Amerikanerin hauste oder ist das mit der Pest noch zu riskant?
Lg
Inka

Hallo Inka,

Clarkii – Alleni? Die Bezeichnung gibt es eigentlich nicht. Entweder Procambarus alleni oder Procambarus clarkii.

3 Monate würden die Sporen meiner Ansicht nach nicht überleben.

Aber du hättest die CPOs auch schon direkt einsetzen können. Denn sie sind Träger der Krebspest, erkranken selbst aber nicht an dieser.

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