Marmorkrebs – Procambarus sp.

Die Tage ist jemand mit der Suchfunktion “Krebs trägt Eier, obwohl nur ein Weibchen im Becken ist” auf meinem Blog gelandet.
Dies nehme ich mal zum Anlass, um das Thema “Marmorkrebs” aufzugreifen.
In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass der Marmorkrebs doch recht häufig im Aquaristikhandel angeboten wird. Zum zweiten Mal habe ich jetzt schon gesehen, dass man ihn dort mit Cherax-Arten zusammen im Verkaufsbecken gehalten hat, dies dürfte wohl nicht so das Optimale sein, da er zu den Überträgern der Krebspest gehört!
Für mich stellt sich sowieso die Frage, wie das im Aqua-Handel überhaupt läuft. Die meisten Geschäfte haben ihre Anlagen doch über ein einziges Filtersystem laufen, auch wenn die Tiere in unterschiedlichen Becken sitzen, wäre hier doch eine Gefahr bzgl. der Krebspest gegeben, oder habe ich da jetzt einen Denkfehler?
Der Marmorkrebs kann eine Größe ca.13 – 15 cm erreichen. Die Tiere sind überwiegend braun marmoriert. Können aber in alkalischem Wasser eine blaue Färbung annehmen.
Jetzt kommt die Besonderheit bei dieser Art. Der Marmorkrebs vermehrt sich über Parthenogenese (Jungfernzeugung). Dies heißt, die Tiere brauchen keinen Partner um sich fortzupflanzen. Bisher sind scheinbar auch nur weibliche Tiere aufgetaucht.
Leider wird auch oftmals im Fachhandel nicht darauf hingewiesen, hier nicht mit böser Absicht, sondern weil es viele Verkäufer selbst nicht besser wissen.
Es sind meiner Ansicht nach wirklich sehr schöne Tiere, jedoch würde ich mir diesen Krebs selbst nicht anschaffen, wenn ich keine entsprechenden Fressfeinde für den Nachwuchs hätte. Der Marmorkrebs ist sehr vermehrungsfreudig, hier muss nicht lange auf die ersten Jungtiere gewartet werden, die auch wieder mit ca. 4 Monaten geschlechtsreif sind und hier ist jedes Nachwuchstier in der Lage, neuen Nachwuchs zu “produzieren”!
Unabhängig davon, dass Flusskrebse in einem 54er Becken nichts zu suchen haben, es sei denn, hier fällt die Wahl auf Zwergkrebse, sollte ein Marmorkrebs, auch wenn es sich ja nur um ein einzelnes Tier handelt, in einem entsprechend großem Becken gehalten werden. Ein 54er Becken wird aufgrund der zu erwartenden Größe und dem extremen Nachwuchsin meinen Augen viel zu klein.
Wer sich also dazu entscheidet, einen Marmorkrebs zu pflegen, sollte wirklich beachten, dass es hier eine Jungtierschwemme geben wird. Es ist auch schwierig, die Tiere “unter die Leute zu bekommen”.
Hier noch der Hinweis! Die Tiere niemals irgendwo aussetzen oder gar im Teich halten! Der Marmorkrebs kann die Krebspest übertragen! Was dies in unseren Gewässern anrichtet, dürfte ja bekannt sein.
Eine interessante Seite zu diesem Thema ist das Edelkrebsprojekt NRW

:help_tb:
Hi Kerstin,
dringend zu erwähnen ist auch noch,daß ein “Aussetzen” selbst im Gartenteich schon eine Ordnungswidrigkeit darstellt,dies trifft für ALLE amerikanischen Krebse zu(Anmerkung:also auch die inzwischen “eingebürgerten” wie z.B.:Orconectes immunis,Orconectes limosus – Kamberkrebs,Pacifastacus lenisculus-Signalkrebs) und wird z.B. in Baden-Württemberg mit einer Geldbuße bis zu 5000€ belegt.(Info aus der DATZ 7/2006 mit Ausnahme der eingeklammerten Anmerkung)
Dies angesichts der Tatsache,daß diese Krebse häufig im Fachhandel immer noch als Teichkrebse angeboten werden.
LG Heike